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Stillen/Fläschchen in Zusammenhang mit der Logopädie

Stillen

Warum ist das Stillen für die Mundfunktionen wichtig?

Der angeborene Saugschluckreflex des Säuglings ist nach der Geburt und noch einige Zeit danach lebensnotwendig. Das Säuglingsschlucken ist nach vorne zwischen die Kiefer gerichtet. Danach baut sich das Schlucken in den ersten Monaten allmählich zu einem gaumengerichteten Schlucken um. Normalerweise passiert dies durch ein korrektes Stillen über das erste Lebenshalbjahr. Wird dieser ursprünglich nach vorne gerichtete Reflex nicht zu einem reifen, gaumengerichteten Schlucken umgewandelt, kann die Ursache in einer ungünstigen Säuglings- und Kleinkind-Ernährung liegen.

Die Vorteile des Stillens aus psychologischer, medizinischer und ernährungswissenschaftlicher Sicht sind bekannt. Aber häufig sind folgende Fakten unbekannt:

Was bewirkt ca. 6-monatiges Stillen?

  • Der Saug-Schluckreflex wird umgebahnt
  • Die Gaumen- und Kieferentwicklung wird durch ein gaumengerichtetes Schlucken günstig beeinflusst, was möglicherweise Zahn- und Kieferanomalien verhindert
  • Die Zungen- und Lippenmuskulatur wird trainiert, was für das spätere richtige Sprechen von Bedeutung ist
  • Die Nasenatmung und der Mundschluss wird angeregt
  • Die gesamte Gesichtsmuskulatur wird aktiviert

Neben der Aufklärungsarbeit sind die Motivierung und die Unterstützung der Mutter wichtig. Hebammen, Stillberaterinnen und Säuglingsschwestern haben die Aufgabe, unerfahrenen Müttern beispielsweise zu sagen, dass die Milchproduktion von der "Abnahme" abhängt. D.h. je öfter die Mutter das Kind zum Stillen anlegt, desto mehr Milch produziert sie. Sie muss wissen, dass sie das Kind immer dann anlegen kann, wenn es Hungersignale äußert    (z. B. Schmatzen). Sie verwöhnt es nicht, wenn sie keinen 3-4 Stunden-Stillrhythmus einhält wie man es früher empfahl. Es ist hilfreich, wenn sich Schwangere mit entsprechender Literatur (z. B. von Hannah Lothrop) auf das Stillen vorbereiten.

Bei zu frühem Abstillen, z.B. nach 6 Wochen, ist der Übungseffekt für die Mundmuskulatur nicht groß genug, vor allem, wenn dann auf ungünstige Art und Weise mit der Flasche (ungünstiger Flaschensauger) weitergefüttert wird. Ein etwa 6 Monate dauerndes Stillen hingegen aktiviert die orofaziale Muskulatur (Mundmuskulatur) und die mimische Muskulatur auf jeden Fall entscheidend. Natürlich können auch ausreichend lange und richtig gestillte Kinder aufgrund anderer Ursachen Myofunktionelle Störungen (Muskelfunktionsstörungen / Schluckstörungen siehe Vorschulkinder Lispeln/MFS) bekommen.

Stillprobleme

Weshalb sind zu viel Milch bzw. zu starker Milchfluss beim Stillen ungünstig?

Ein starker Milchfluss der Mutter veranlasst das Kind, die Zunge nach vorne zu schieben, um diesen zu stoppen. In diesem Fall sollte vor dem Stillen etwas Milch ausgestrichen werden, damit das Kind normal stark saugen kann.
In einigen Fällen kann Pfefferminztee und Salbeitee (Achtung nicht zu hoch dosieren) die Milchproduktion hemmen. Auch bestimmte homöopathische Globuli können diese Wirkung haben. Hier wird die betreuende Hebamme die Mutter gut beraten.
Wenn sich das Ausstreichen oder das kurze Abpumpen vor dem Stillen bzw. die Brustschmerzen als zu große Belastung darstellen, muss eventuell über das Abstillen nachgedacht werden.
Denn das Stillen sollte nicht zum Stress ausarten und die Mutter muss sich weiterhin wohl in ihrem Körper fühlen!

Was tun bei zu wenig Milch?

In seltenen Fällen gibt es Mütter, die trotz häufigem Anlegen zu wenig Milch produzieren.
Mit einem geeigneten Fläschchensauger (siehe unten wodurch sich „gute"  – "schlechte" Flaschensauger auszeichnen) kann ohne schlechtes Gewissen auf Säuglingsersatznahrung zurückgegriffen werden.

Was tun bei Schmerzen / Entzündungen der Brustwarze – Stillhütchen?

Bei empfindlicher Haut (oft bei hellen Hauttypen) kann es schon in den ersten Stunden / Tagen nach der Geburt zu starken Entzündungen der Brustwarze kommen.
Wenn sich die Mutter beim Stillen vor lauter Schmerzen sehr verkrampft und teilweise mit schlechtem Gewissen hofft, das Kind möge nicht so schnell wieder Hunger bekommen, weil das Stillen so sehr schmerzt, sollte sie mit gutem Gewissen auf Stillhütchen (z. B. von Avent, MAM) zurückgreifen.
Wenn die Haut an der Brustwarze wieder verheilt ist, kann das Stillen mit Stillhütchen wieder Schritt für Schritt reduziert werden.

Fläschchen

Ist das Zufüttern abgepumpter Milch in Ordnung?

Falls die Mutter gut Milch abpumpen kann, ist es sogar ratsam, dass das Kind nach wenigen Lebenswochen zwar selten, aber in regelmäßigen Abständen (z. B. täglich oder jeden zweiten Tag) ein Fläschchen mit Muttermilch aus einem günstigen Fläschchensauger gefüttert bekommt.

Unsere Erfahrung zeigt, dass sich manche voll gestillten Babys nicht mehr an die Flasche gewöhnen lassen. Teilweise MÜSSEN Mütter (manchmal plötzlich) abstillen, weil sie erkranken und Medikamente nehmen müssen, welche in die Muttermilch übergehen und die Gesundheit des Kindes beeinträchtigen können. Oder Mütter erleiden einen Unfall und sind (z. T. längere Zeit) vom Kind getrennt bzw. das Stillen ist aufgrund der körperlichen Beeinträchtigungen nicht mehr möglich.
Ein weiterer Aspekt ist, dass manche Mütter bereits nach dem Mutterschutz wieder zu arbeiten beginnen (müssen). Manche Kinder weigern sich schon nach 3-monatigem Stillen, die Flasche anzunehmen. Das erzeugt viel Stress und Frustration für Mutter, Betreuungsperson und Kind.

Was ist beim Stillen und Fläschchengeben zu beachten?

Jedes Füttern sollte nicht länger als 30 Minuten dauern, denn es soll sich ein gesunder Sättigungs- und Hungerzyklus einstellen.

Das Brustsaugen ist anstrengender als das Saugen an der Flasche. Von der Flasche zurück zur Brust ist sehr schwierig, aber nicht unmöglich.
Die Kombination von Brust und Flasche klappt mit Silikonsaugern oft ganz gut. Je früher das Kind an die Kombination gewöhnt wird, desto leichter klappt in der Regel das Abstillen.

Welche Babyfläschchen sind empfehlenswert, welche nicht?

Das richtige Stillen ist am besten geeignet, den zunächst noch physiologischen Saug-Schluckreflex allmählich abzubahnen. Dabei entsteht vom zuerst nach vorne gerichteten Schlucken ein Schlucken gegen den Gaumen.

Die Mütter, die aus irgendwelchen Gründen ihre Säuglinge mit der Flasche ernähren wollen oder müssen, sollten aufgeklärt werden, dass die Art des Flaschensaugers von entscheidender Bedeutung ist, einer Myofunktionelle Störung (Muskelfunktionsstörung im Mundbereich / Schluckstörung, siehe Vorschulkinder "Lispeln/MFS") vorzubeugen.
Die bereits genannten Personenkreise, also Mütter, Frauen- oder Kinderärzte, Hebammen, Säuglingsschwestern, Väter und Großeltern brauchen dazu folgende Informationen:

Heute werden selten noch zu lange Sauger verwendet, jedoch solche mit zu kleinem Durchmesser des Lippenschildes.

Ist es zu klein, kann es vom Säugling zwischen die Lippen gebracht werden, wodurch diese an Muskelspannung verlieren. Wird der Flaschensauger aufgrund des kleinen Lippenschildes weit in den Mund gezogen, ist er dadurch zu lang.
Bei großem Durchmesser liegen die Lippen fest an der Lippenauflage und die Zunge muss den Nippel zum Saugen gut fassen. So sind die Zunge und die Lippen zur Mitarbeit angeregt, womit ein regelrechtes mundmotorisches Training erfolgt.

Gute Babyfläschchen mit breiter Lippenauflage am Sauger sind z. B.:

  • NUK First Choice
  • Tommee Tippee
  • Nuby natural touch
  • mollis-Flaschen
  • PLAYTEX Baby-Stiller


Auch das Problem eines vergrößerten Saugloches ist erwähnenswert. Manchmal wird ein Saugloch mit einer glühenden Nadel erweitert, damit eine Flaschenmahlzeit nicht so viel Zeit in Anspruch nimmt oder auch beim Füttern von Vollkornnahrung. Im letzteren Fall passieren die Vollkornfasern bei vergrößertem Saugloch gerade eben, die flüssigen Anteile strömen jedoch zu schnell durch. So muss das Kind durch Vorschieben der Zunge den viel zu schnellen Milchfluss stoppen. Es ist klar, dass durch dieses Verhalten der Zungenstoß nicht abgebaut, sondern gefestigt wird.

Ein weiterer Punkt sollte beim Nähren mit der Flasche beachtet werden: Das Gewicht der Flasche darf nicht Richtung Mund des Säuglings lasten, sondern die Flasche sollte von der fütternden Person leicht nach außen - weg vom Mund des Säuglings gezogen werden, damit das Fassen des Nippels mit der Zunge und dem Kiefer, sowie das Saugen mit der Zunge angeregt wird.

Zudem gilt: 
Je leerer die Flasche, desto steiler halten -> sonst wird Luft angesaugt. Der Sauger muss immer mit Milch voll sein.

Silikon- oder Latexsauger?

  Latex Silikon
Vorteile Naturmaterial; ist sehr elastisch und reißfest; weicher und stabiler als Silikon. nicht so lichtempfindlich wie Latex (UV-Strahlen); geschmacksneutral und daher eher für Stillkinder geeignet.
Länger haltbar als Latex.
Nachteile kann Allergien auslösen, ist lichtempfindlicher als Silikon Silikonsauger können durch die Zähnchen des Babys leichter beschädigt werden als Latexsauger und das Material reißt weiter, wenn es einmal eingerissen ist.

Praxis für Logopädie A. Kittel

Inh. Nina Förster
Nürtinger Str. 5
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T: +49 (71 23) 20 02-41



Sprache ist der springende Punkt.

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